Medikamenten-Stent: Herzinfarkt nach Absetzen von ASS
Auch ein kurzfristiges Absetzen kann zum tödlichen Risiko werden, warnen Kardiologen.
Herzpatienten, die mit sogenannten Medikamenten-Stents versorgt wurden, müssen täglich Tabletten einnehmen, die einen Verschluss dieser "Gefäßstützen" verhindern.
Privatdozent Uwe Zeymer vom Herzzentrum Ludwigshafen berichtet von einem 48-jährigen Patienten, dem vor zwei Jahren ein Stent in ein Herzkranzgefäß eingesetzt wurde, weil er bei Anstrengung unter stechenden Herzbeschwerden (Angina pectoris) litt. Die Ärzte entschieden sich für einen modernen Stent, der dauerhaft den Wirkstoff Paclitaxel freisetzt. Dieses Medikament verhindert, dass der Stent bald wieder zuwächst und die Beschwerden erneut auftreten.
Stent-Patienten müssen Medikamente einnehmen, die eine Ablagerung von Blutplättchen verhindern. Im ersten Jahr nahm der Patient, wie vorgesehen, zwei Medikamente ein. Danach wurde das stärkere Mittel (Wirkstoff: Clopidogrel), abgesetzt und der Patient nur noch mit Acetylsalicylsäure (ASS, z.B. Aspirin®) behandelt.
Dann stand ein Zahnarztbesuch an. Ein Zahn musste gezogen werden. Der Zahnarzt riet, Acetylsalicylsäure abzusetzen, damit es weniger blutet. Der Zahn wurde gezogen, doch zwei Stunden darauf kam es zu einem schweren Herzinfarkt. Da der Patienten sofort mit einem Notfallwagen ins Herzzentrum Ludwigshafen gefahren wurde, überlebte er.
Die Kardiologen konnten durch Untersuchung mit dem Herzkatheter den Verschluss orten. Sie fanden ein Blutgerinnsel im Stent, das sie beseitigten. Nach einer Woche konnte der Patient die Klinik wieder verlassen.
Dieser Fall zeigt laut Privatdozent Zeymer, wie wichtig es ist, dass die Patienten zuverlässig ihre Medikamente einnehmen. Auch vor kleineren Operationen sollte der Zahnarzt sich sich mit dem Kardiologen beraten.
P. Krüth et al.: Akuter Herzinfarkt nach Absetzen von Acetylsalicylsäure 2 Jahre nach Implantation eines Medikamenten-freisetzenden Stents. Deutsche Medizinische Wochenschrift 2007; 132 (5): S. 201-204