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13.04.07 15:25 Alter: 3 Jahr(e)

Verlust von vestibulärem Knochen durch Frühkontakte

 

Ein Zahnarzt beschreibt den Verlust von vestibulärem Knochen durch Frühkontakte - das entzündungsfreie Zahnfleisch folgte.

Wer war betroffen?
Ein 29jährige Patientin suchte uns zum Ziehen eines Fadens bei Zustand nach chirurgischer Entfernung seines Lippenbändchens auf. Die Indikation zu diesem Eingriff war gestellt worden, nachdem das Zahnfleisch sich von den relativ neuen Kronen relativ schnell zurückgezogen hatte und die Zahnhälse relativ frei lagen.

Was war der Fehler?

Die eigentliche Ursache für den Attachementverlust an den oberen Schneidezähnen sind deutliche iatrogene Frühkontakte auf den viel zu dicken Frontzahnkronen, die zu einem chronischen Frontzahntrauma führen. Zahlreiche Frühkontakte in Schlussbissstellung. Insbesondere die mittleren Unterkiefer-Schneidezähne knallen bei jedem Schlussbiss auf die viel zu dicken Frontzahnkronen und traumatisieren deren Zahnhalteapparat. Solche Traumata führen in relativ kurzer Zeit zum Verlust von vestibulärem Knochen, dem das entzündungsfreie Zahnfleisch folgt, und auf Dauer zu Zahnlockerungen.

Die Okklusion ist nicht statisch sondern dynamisch. Schäden wie oben finden sich ausgesprochen häufig auch im natürlichen Gebiss. Ohne indikationsgerechte Therapie kann diese Pathologie in Abhängigkeit von der Qualität des Zahnhalteapparates und dem Abrasionswiderstand der Zähne zu Zahnlockerungen, horizontalem Knochenabbau, vertikalen Knocheneinbrüchen, Auffächerung der Front und letztlich zu Zahnverlusten führen. Ursache ist häufig eine als "sekundärer Engstand des Erwachsenen" bezeichnete und im Laufe der Jahre häufig kontinuierlich zunehmende Schachtelstellung der Unterkieferfrontzähne.

Wie kann der Fehler vermieden werden?

Nach unserer Auffassung ist diese Schachtelstellung häufig Ausdruck funktioneller Überlastung wegen schlechter Gewohnheiten wie starkem Pressen mit anschließendem Schieben nach mesial, was zu Mesialisierung und in der Folge zu Platzmangel in der UK-Front führt. Mindestens einer, häufig wie oben auch zwei Zähne weichen dabei nach vestibulär, der andere bzw. die anderen beiden weichen nach lingual aus mit der Folge der Traumatisierung der OK-Frontzähne.

Die indikationsgerechte Therapie besteht in entlastendem Einschleifen im Ober- respektive Unterkiefer und der Verordnung einer adjustierten Aufbisschiene im Oberkiefer für die Nacht. Im Unterkiefer ist dabei nicht selten eine deutliche ästhetische Verbesserung im Sinne einer Harmonisierung der Frontzahnlinie verbunden. Diese Maßnahmen führen zuverlässig zum Sistieren der Lockerungsgrade. Bei extremen Schäden und/oder weit aufgefächerter Front können im Spätstadium zum Zahnerhalt auch sehr invasive Maßnahmen erforderlich werden.

Patienten mit der Tendenz zur Mesialisierung der Unterkieferfront bedürfen aufgrund der Dynamik in ihrer Okklusion der engmaschigen Überprüfung auf Früh- und Fehlkontakte in der Front bei jeder Routine-Untersuchung und müssen wegen der Tendenz, Rezidive zu entwickeln, häufig eingeschliffen werden.


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