Allgemeinzahnärzte begrüßen Kurswechsel bei DGZMK-Stellungnahmen
Der Berufsverband der Allgemeinzahnärzte (BVAZ) begrüßt es, dass die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) dem Druck der Allgemeinzahnärzte nachgegeben hat und umstrittene wissenschaftliche Stellungnahmen wie auch das Procedere der Entwicklung solcher Stellungnahmen überarbeiten will. BVAZ-Präsident Günter Kau: "Anders als universitäre Spezialisten sehen wir jeden Tag den Patienten in seiner Gesamtheit. Auch tragen wir Allgemeinzahnärzte in unseren Praxen die Hauptlast der zahnärztlichen Weiterbildung. Es ist gut, dass die wissenschaftlichern Fachgesellschaften erkannt haben, dass wir Allgemeinzahnärzte uns nicht durch unwissenschaftliche und zum Teil kommerziell induzierte Stellungnahmen die Therapiefreiheit beschränken lassen!"
Zum einen begrüßt der BVAZ die Feststellung, dass die DGZMK-Statements auch forensisch gesehen keinen bindenden Charakter haben und lediglich als Handlungsempfehlungen zu sehen sind. Somit wird die Freiheit der fächerübergreifenden Berufsausübung nicht eingeschränkt, die dem Allgemeinzahnarzt kraft seiner Approbation zukommt.
Zum zweiten begrüßt der BVAZ, dass die DGZMK-Statements zukünftig in Abstimmung mit der Arbeitsgemeinschaft der Medizinisch-Wissenschaftlichen Fachgesellschaften (AWMF) formuliert werden sollen. Der BVAZ erhofft sich dadurch eine stärkere Ausrichtung der zahnärztlichen Leitlinien an evidenzbasierten Kriterien. Der BVAZ hofft auch, dass über eine größere Transparenz kommerzielle Querverbindungen und unwissenschaftliche Motive von Leitlinien-Autoren künftig schneller erkannt und verhindert werden.
Die Zusage der DGZMK, Vorschläge aus der Zahnarztpraxis ausdrücklich zu begrüßen, sei längst überfällig gewesen, so BVAZ-Präsident Dr. Günter Kau: "Wir erneuern unser Angebot an die DGZMK und die Hochschullehrer, unsere Expertise bei der Ausbildung wie auch bei der Weiterentwicklung der zahnärztlichen Wissenschaft einzubringen. Die erfahrenen, fachgebietsübergreifend tätigen Allgemeinzahnärzte sind die ,Fachzahnärzte für Oralmedizin?, die der Wissenschaftsrat für die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit synoptischer Zahnheilkunde zu Recht einfordert. Genau so, wie für uns die Erkenntnisse der Wissenschaft von hoher Bedeutung sind, kann und muss umgekehrt auch die Wissenschaft von unserer Erfahrung lernen!"
Hintergrund:
Nur dem hartnäckigen Nachfassen des Berufsverbandes der Allgemeinzahnärzte in Deutschland (BVAZ) ist es zu verdanken, dass die DGZMK einige Stellungnahmen zur Endodontie überarbeiten lässt. Zum Streit war es im Jahr 2005 gekommen, als eine Stellungnahme von Endodontie-Professoren das Anlegen von Kofferdam bei jedem Behandlungsschritt zur Pflicht machte. Auch andere DGZMK-Stellungnahmen hatten in der Folge die Anforderungen an eine Wurzelkanalbehandlung ungerechtfertig und wissenschaftlich unbegründet hochgesteckt.
Viele zahnärztliche Körperschaften, unter anderem die jüngste Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer hatten nach Intervention des BVAZ den offensichtlichen Versuch verurteilt, die Kompetenz zu endodontischen Behandlungen über gezielte Formulierungen der DGZMK-Stellungnahmen nur noch in die Hand der so genannten Endodontie-Spezialisten zu legen.
PRESSEMITTEILUNG vom 29. November 2007
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Pressemitteilung-BVAZ_20071129.pdf