10.09.08 22:10 Alter: 4 Jahr(e)
Fakten zum Modularen System der postgradualen Fort- und Weiterbildung
Bei unterschiedlicher Auffassung gilt das geschriebene Wort!
Bei unterschiedlicher Auffassung gilt das geschriebene Wort!
Einer der Tagesordnungspunkte des kommenden deutschen Zahnärztetages ist das "Modulare System der postgradualen Fort- und Weiterbildung". Dieses gemeinsame Modell von BZÄK, DGZMK und dem Hochschullehrerverband VHZMK. Hierzu die Fakten:
- Als Reaktion auf die Kritik des Wissenschaftsrates aus dem Jahre 2005 haben profilierte Hochschullehrer in 2007 das "Weißbuch der ZahnMedizin Band 2" veröffentlicht. Darin begründet Prof. Heidemann die Notwendigkeit der Einführung eines "Modularen Weiterbildungssystems" mit dem Bologna-Protokoll. Die Umsetzung dieses Protokolls erfordere seiner Einschätzung nach die Implementierung sowohl haupt- als auch nebenberuflich zu erwerbenden Master- und Fachzahnarzttitel in der deutschen zahnärztlichen Aus-, Fort- und Weiterbildung. Im selben Weißbuch führt Prof. Noack den Begriff des "hausärztlichen zahnmedizinischen Generalisten mit eingeschränktem Leistungsspektrum" in die Diskussion ein.
- In einer Ausgabe der Quintessenz beschreibt Prof. Wagner wenig später die Notwendigkeit von sektoralen Honorarverteilungmaßstäben (HVMs) als konsequente Folge dieser Schwerpunktbildung.
- Auf der Klausurtagung der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) im Juli 2007 unter dem Motto "Die Zahnarztrolle im Wandel" präsentiert Dr. Walter Dieckhoff, Vorstandsmitglied der BZÄK, die vom zuständigen Beirat unter seinem Vorsitz erarbeiteten "Empfehlungen zur Entwicklung der zahnärztlichen Weiterbildung" als Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit des Kammergremiums mit Universitäten und Wissenschaft: "Was die Fachzahnarztgebiete angehe, führe bereits ?die Existenz postgradualer Studiengänge? zu ihrer Weiterentwicklung. Eine Ausweitung der Weiterbildungsgebiete von bisher Kieferorthopädie, Oralchirurgie und öffentlichem Gesundheitswesen auf zusätzliche Möglichkeiten wie Parodontologie, Kinder- und Jugendzahnheilkunde sowie Endodontologie sei Vorschlag der AG Weiterbildung" (nachzulesen in "Zahnärztliche Mitteilungen" (zm) , Ausgabe 13 vom 01.07.2007).
- BZÄK, Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) und die Vereinigung der Hochschullehrer für Zahn-, Mund und Kieferheilkunde (VHZMK) schließen eine Vereinbarung ab, dieses modulare Weiterbildungssystem zu implementieren.
- Die BZÄK räumt in der Folge anhaltender Kritik durch Berufsverband der Allgemeinzahnärzte (BVAZ) gegen Ende der ersten Jahreshälfte in 2008 endlich ein, dass die Notwendigkeit der Einführung postgradualer Masterstudiengänge durch das Bologna-Protokoll nicht gedeckt ist.
- In ihrem jüngsten "Klartext" vom 8. September, mit dem die Äußerungen des BVAZ in aller Schärfe zurückgewiesen werden, räumt die BZÄK ein, dass es keinen Mangel an Curricula oder anderen Fortbildungsmöglichkeiten gibt, und dass die Allgemeinzahnärzte diese Möglichkeiten lebhaft wahrnehmen. Das wundert nicht, sind sie doch ? inzwischen sogar staatlich kontrollierte ? Fortbildungsweltmeister. Aus Sicht der Allgemeinzahnärzte ist es nicht nachvollziehbar, warum die angesprochenen Probleme (Verschiebung der Alterspyramide, usw.) nicht durch die bestehenden Fortbildungsmöglichkeiten gelöst werden können
Es werden immer neue Begründungen für die Notwendigkeit der Einführung des seit Erscheinen des "Weißbuch der ZahnMedizin" von Prof. Heidemann postulierten modularen Weiterbildungssystems nachgeschoben. Die Allgemeinzahnärzte können keine dieser Begründungen nachvollziehen, sehen für dieses System daher auch nicht den Hauch einer Notwendigkeit und wundern sich stattdessen über die Hartnäckigkeit und den Aufwand, mit der die Notwendigkeit seiner Einführung verteidigt wird.
Die forcierte Implementierung dieses modularen Weiterbildungssystems wird in den Augen der Allgemeinzahnärzte nur dann notwendig, wenn die Türe dafür geöffnet werden soll, die gemeinsam mit den Hochschullehrern erarbeiteten Empfehlungen ihres Vorstandmitgliedes Dr. Walter Dieckhoff entgegen gegenwärtiger Beteuerungen langfristig umzusetzen.
Wehret den Anfängen!
Dr.med. Dr.med.dent. Rüdiger Osswald, Allgemeinzahnarzt in München